Wie alles begann

Karneval in Büchenberg ab 1973

Der Ursprung

Am Rosenmontag 1973 bildete sich in der Gastwirtschaft „Weißes Roß“ eine kleine Narrenschar und feierte auf ihre Weise Karneval. Auf einem Getreidewagen, der von Ewald Müller mit seinem Schlepper gezogen wurde, fuhren ca. 25 Männer durch das Dorf. Zu den Klängen eines Akkordeons wurde gesungen und “getrunken” und in so manchem Bauernhof konnte Schnaps und Bier nachgeladen werden. So fuhr man in die Zillbacher Straße, um auch unseren Ortsteil Zillbach zu besuchen.

Ein Zwischenfall ereignete sich, als ein beim Senge Oskar wohnender Amerikaner mit einer Flasche Whisky winkte und Ewald Müller seine Zugmaschine derart stark abbremste, dass dadurch die Narren auf dem Wagen gegen die Vorderwand gedrückt wurden und diese durchbrach. Diejenigen, die damals zwischen Wagen und Zugmaschine fielen, wissen sicher heute noch, wieviel Glück sie hatten, denn man ging ohne Verletzungen aus diesem Unfall hervor. Nach Behebung des Schadens ging es dann mit voller Stimmung weiter nach Zillbach und von dort wieder nach Büchenberg zum Abschluß in die Gastwirtschaft.

Nach diesem ersten „Umzug“ wurden Stimmen laut, die für das kommende Jahr eine organisierte Karnevalskampagne forderten. Allerdings tat sich dann das ganze Jahr nichts, bis im Januar 1974 Ewald Heil diese Idee neu aufgriff und zusammen mit Alfred Heil, Helmut Belz, Reinhard Happ und Hubert Möller in der Gastwirtschaft „Weißes Roß“ nach einigen Bier und Korn den Beschluss fassten, in diesem Jahr nach 1951 endlich wieder einmal richtig Karneval zu feiern, natürlich auch mit einem Rosenmontagszug als Abschluss.

1974

So wurden durch einen öffentlichen Aufruf alle Interessierten am 07.01.1974 zu einer Besprechung in der Gastwirtschaft „Weißes Roß“ eingeladen. Unter den Anwesenden erklärte sich auch sofort die überwiegende Mehrheit bereit, aktiv am Karneval teilzunehmen. So konnte schon an diesem Abend die Beteiligung von 10 Rosenmontagswagen fest eingeplant werden. Die erste Veranstaltung in Form eines Maskenballs wurde auf den 19.01.1974 festgelegt.

Natürlich durfte bei einer richtigen Karnevalsveranstaltung ein Prinz nicht fehlen. So machte man sich zunächst auf die Suche und fand nach einigen Befragungen den damals in Büchenberg berufstätigen Willi Märtin (Reise Willi), der sich dazu bereit erklärte, dass Prinzenamt während der kommenden närrischen Tage auszuüben. Nun brauchte man auch einen Elferrat und Prinzenmariechen, hatte aber noch keine Elferratskappen und Mariechenkleider. So fuhr man an einem Abend zum benachbarten Karnevalsvorsitzenden Hackenberg nach Niederkalbach zwecks Ankaufs von gebrauchten Elferratskappen und Mariechenkleidern. Nach Vertilgung von einem Fass Bier bei Herrn Hackenberg einigte man sich über den Preis und konnte schon an diesem Abend die Elferratskappen mit nach Hause nehmen. Ewald Heil versuchte nun in den wenigen Tagen vor dem Maskenball verschiedene Männer als Elferratsmitglieder zu verpflichten, was ihm auch gelang.

Der erste Elferrat setzte sich wie folgt zusammen:

Helmut Belz, Hans Möller, Rainer Raab, Hubert Möller, Miguel Melia, Gerhard Kress, Hans-Egon Fischer, Heribert Beiz, August Raab, Robert Vieres, Bruno Fischer und als Ersatzmann Heini Neumann. Adjudanten waren Alfred Heil und Reinhard Happ. Sitzungspräsident war Ewald Heil.

Der Name des ersten Prinzen wurde auf „Prinz Willi I vom runden Leder” festgelegt. Prinzenmariechen waren Marlene Reis, Brigitte Reis, Siglinde Schlag und Brigitte Happ. Mit dieser Mannschaft ging man in die erste Veranstaltung und es wurde ein riesiger Erfolg. Die ersten Büttenredner gaben ihr Bestes und die Stimmung war sehr gut. Die Veranstaltung endete erst in den frühen Morgenstunden. Auch in den nachfolgenden Wochen bis zum Rosenmontag wurden repräsentative Aufgaben von Prinz Willi und seiner Mannschaft wahrgenommen, wie die Besuche von karnevalistischen Veranstaltungen der örtlichen Vereine und Gastwirte. Auch der erste organisierte Rosenmontagszug wurde mit 12 beteiligten Wagen und vielen Fußgruppen ein Riesenerfolg. Der Rosenmontag endete dann mit einem Tanzabend im vollbesetzten Saal in der Gastwirtschaft „Weißes Roß“. Die Idee zum Kindermaskenball kam dann von Walter Heil. Am Fastnachtsdienstag trafen sich daraufhin alle kleinen Narren zu ihrem Kindermaskenball, der auch in den darauffolgenden Jahren traditionell durchgeführt wurde. Am Dienstagabend um Mitternacht wurde am Lohberg die Fastnacht verbrannt. Somit war die erste Karnevalskampagne erfolgreich abgeschlossen.

Vereinsgründung

Kostenträger der ersten Kampagne 1974 war die SG Büchenberg unter der Verantwortung des damaligen 1. Vorsitzenden Ewald Heil und Kassenwart Hubert Möller. Im Verlauf der Kampagne wurde ein Erlös von 123,— DM erzielt. Einige Wochen später trafen sich alle Beteiligten zu einem Film- und Lichtbildervortrag über die gelaufenen karnevalistischen Veranstaltungen und zum Rechenschaftsbericht. An diesem Abend wurden erstmals Stimmen zu einer Gründung eines Karnevalvereins laut, die zunächst mit der Begründung, es wäre nicht genug Geld da, zurückgewiesen wurden. Daraufhin kam es zu einer großen Spendenaktion, durch die der Grundstock zur Vereinsgründung gelegt wurde. So wurden am 23.05.1974 alle Interessierten zur Gründungsversammlung eingeladen und die Vereinsgründung kam auch an diesem Abend zustande.

Der erste Vorstand in der Vereinsgeschichte setzte sich wie folgt zusammen:

1.Vorsitzender Klaus Heil,

2.Vorsitzender Alfred Heil,

Kassenwart Rosemarie Melia

Schriftführer Waltraud Schlag

Als der 1. Vorsitzende Klaus Heil aus beruflichen Gründen wieder zurücktrat, übernahm Alfred Heil den Vorsitz und führte dieses Amt bis zur nächsten Generalversammlung durch.

1975

Auch die zweite Karnevalskampagne wurde im Jahre 1975 unter der Regentschaft von Miguel Melia als „Prinz Miguel II von Apfelsinien“ mit seinen Adjudanten Erich Schneider und Hermann Puttmann zu einem großen Erfolg. Höhepunkt in dieser Kampagne war der Rosenmontagszug mit 17 Wagen. Erstmals beteiligten sich auch die Nachbarortschaften Zillbach und Döllbach aktiv am Vereins-geschehen. Während des Umzugs wurden von Prinz Miguel 15 Tonnen Apfelsinen unters Volk verteilt. Büchenberg erlebte in seiner jungen Geschichte die erste Apfelsinenschwemme. In diesem Jahr wurde auch die erste Tanzgarde gegründet.

In der ersten Tanzgarde der Vereinsgeschichte wirkten mit:

Rita Happ, Hildegard Raab, Birgit Ruppel, Stefanie Gerst (alle Büchenberg) Margit Klug, Erika Kohlhepp, Ute Horky und Ursula Hommel (alle Uttrichshausen).

Die benötigten Kostüme für die Tanzgarde wurden von verschiedenen weiblichen Mitgliedern des Vereins in Hausarbeit genäht. Auch die Umhänge für die jeweiligen Prinzen wurden durch Mitglieder angefertigt. Einen besonderen Namen machten sich dadurch Gertrud und Erwin Klug, die als „Vereinsschneiderei Klug“ über lange Jahre ein fester Bestandteil des Vereins waren.

Ab 1975 übernahm dann Erich Schneider und ab 1977 Manfred Müller das Amt des 1. Vorsitzenden. In den nun folgenden Jahren erlebte der Karnevalsverein Büchenberg einen ständigen Aufwärtstrend, wobei sich die beiden Vorsitzenden besonders große Verdienste um den Verein erworben haben.

Besonderheiten in der Vereinsgeschichte

Die Kampagne 1990/91 mit „Prinz Christoph XVIII. vom Badeparadies“ war die letzte im alten „Wirts-Saal“, ehemals „Weißes Roß“. In diesem Jahr verzichtete man wegen des Golfkrieges erstmals auf die Durchführung des Rosenmontagszuges.

Die Kampagne 1991/92 mit „Prinz Stefan XIX. von Lohn und Gehalt“ war die erste, die im neuen Bürgerhaus durchgeführt werden konnte. Das Raumangebot war deutlich besser. Es ging aufwärts mit den Besucherzahlen. Aber es gab auch mehr Arbeit, vor allem für die Elferräte. Die Bühne musste immer in wochenlanger Arbeit gezimmert werden. Einige Jahre später wurde eine passgenaue Bühne gekauft, die in wenige Stunden aufgebaut war. Ein handgemaltes Bühnenbild wurde erworben.

In der Kampagne 2001/2002 unter „Prinz JürgenXXIX. vom massiven Traumhaus“ wurde der Rosenmontagszug kurz vor dem Start abgesagt. Karl Gerst, als Helfer eingesetzt, war in der Wurstbude zusammengebrochen und verstorben. Ein Schock für alle.

Die Ära der alleinherrschenden Prinzen endete in der Kampagne 2006/2007. Es regierte erstmals ein Prinzenpaar: „Prinzessin Nina I. von der flotten Schiene & Prinz Bernd XXXIV. von Stahl und Beton“. Diese Vorstandsentscheidung sorgte zu Beginn unter vielen Bürgern von Büchenberg schon für reichlich Gesprächsstoff. Die Aufregung hatte sich aber nach einer durchaus erfolgreichen Kampagne schnell gelegt.

2011/2012 gab es eine Besonderheit in der Geschichte des Vereins. Beate Muth als „Beate V. Millenniumprinzessin von Büchenberg“ regierte als erste und bisher einzige Frau alleine über das närrische Volk.